Berufspraxis im Studium: Studenten stellen sich vor

Heute endet unsere spannende Interviewreihe mit dem letzten Beitrag von  Julia Browtschenko. Wir sind bereits äußerst interessiert, was die Studentin im zweiten Mastersemester Architektur an der Hochschule Karlsruhe zu erzählen hat. Im letzen Jahr absolvierte Julia erfolgreich das Bachelorstudium, nachdem sie ihr Praktikum bei MSA Meletta Strebel Architekten in Zürich verbracht hatte. 


Hallo Julia! Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben mit uns über ihre Erfahrungen zu sprechen. Zu Beginn interessiert uns, warum Sie sich für die Fachrichtung Architektur entschieden haben?

JB: Hallo! Also, für den Studiengang Architektur habe ich mich entschieden, da er das kreative Denkvermögen mit technischem Verständnis verbindet und somit viel Abwechslung bietet. Außerdem beinhaltet die Architektur ein weiteres Gebiet meiner Interessen, nämlich das Reisen. Ich finde es unglaublich spannend, dass die Architektur die Entwicklung unserer Gesellschaft widerspiegelt, sich dementsprechend ständig verändert und wir die Möglichkeit haben, diesen Wandel aktiv mitgestalten können.

Sie haben das Praktikum in Zürich bei MSA Meletta Strebel Architekten verbracht. Können Sie uns ein wenig über das Büro erzählen?

JB: Gerne! Also das Büro wurde 1981 von A. Meletta, E. Strebel und J. Zangger gegründet, wird aber seit 2008 ohne Herrn Zangger geführt. Es ist sowohl in Zürich als auch in Luzern vertreten. Während in Zürich 26 Personen beschäftigt werden, sind es in Luzern 13. Alle Leistungsphasen werden innerhalb des Büros durchgeführt. Zu den Projekten zählen unter anderem Siedlungsplanung, Ein- und Mehrfamilienhäuser, aber auch Büro-, Gewerbe- und Schulbauten, vom Kindergarten über die Grund- bis zur Oberstufe, von der Fachhochschule bis zu Bauten der Universität.

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Bürowanderung (c) Julia Browtschenko

Wie kamen Sie an den Praktikumsplatz? Welche Vorarbeit mussten Sie leisten?

JB: Da ich während des Studiums unbedingt einmal ins Ausland wollte, wurde mir von einigen Professoren nahegelegt, dass das Praxissemester der ideale Zeitpunkt dafür wäre. Ich habe circa ein halbes Jahr vor Praktikumsbeginn mit dem Erstellen eines Portfolios angefangen. Im Nachhinein würde ich sagen, dass es fast schon ein wenig spät war, da das Portfolio doch mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als ich es erwartet hätte. Außerdem kam hinzu, dass ich die Bewerbungen auf Deutsch, Englisch und Französisch verfassen musste, da ich mich in der Schweiz, in Dänemark und in Frankreich bewerben wollte. Nachdem alle Bewerbungen abgeschickt wurden, war man gezwungen zu warten – sehr lange zu warten. Es war unheimlich frustrierend, da von ca. 50% der Büros überhaupt keine Antwort kam. Andere ließen sich 4 bis 5 Wochen Zeit, um genug Bewerbungen zu haben und sich dann zu entscheiden. Komplett anders war es aber bei Meletta Strebel Architekten, da habe ich die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch innerhalb einer Woche erhalten, was mich natürlich sehr gefreut hat. Die nächste große Hürde war die Wohnungssuche. Zum einen liegt es daran, dass in Zürich Wohnungsknappheit herrscht und die wenigen verfügbaren Zimmer unheimlich teuer ind, zum anderen wollen die Studenten in den WGs langfristige Mitbewohner, da sie keine Lust haben nach einem halben Jahr wieder jemanden zu suchen.

Das hört sich nach viel Vorarbeit an! Wie sahen denn Ihre Aufgaben im Büro aus? 

JB: Das Team wird in der Regel durch zwei bis drei Praktikanten und zwei Lehrlinge verstärkt. Ich durfte das Wettbewerbsteam anfangs mit einer Züricherin unterstützen, später gehörte auch eine dänische Praktikantin zu unserem Team. Die zweite deutsche Praktikantin half bei der Werkplanung. Es gab eine „Ämtli-Liste“, die allgemeine Aufgaben wie z.B. Telefondienst, Küchendienst, Material einkaufen usw. beinhaltet. Bei diesen Aufgaben wechselten sich die Praktikanten und Lehrlinge täglich ab. Mir hat die Arbeit in der Wettbewerbsabteilung sehr viel Spaß gemacht, da bei uns immer eine lockere Atmosphäre herrschte.

Abgesehen davon waren meine Aufgaben sehr vielseitig, wodurch keine Langeweile aufkam. Zu meinen Aufgaben zählten: Modellbau, Fassadenstudien, 3D- Modelle mit ArchiCad als Grundlage für die Visualisierungen, Flächenberechnungen nach SIA und das Erstellen der Wettbewerbsbroschüren. Dabei standen uns die Kollegen immer wieder zur Seite und gaben uns Tipps, die mir heute das schnellere Arbeiten mit ArchiCad ermöglichen. Was ich besonders beeindruckend fand, war, dass wir Praktikanten nicht nur an den Besprechungen teilnehmen durften, sondern auch nach unseren Meinungen und Vorschlägen gefragt wurden. Alles in allem würde ich sagen, dass ich mich durch das Praxissemester nicht nur auf beruflicher, sondern auch auf persönlicher Ebene sehr entwickelt habe und es deshalb jederzeit wieder machen würde.

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Schulhaus (c) MSA Meletta Strebel Architekten

Was empfehlen Sie Ihren KomilitonInnen zum Thema Praxissemester?

JB: Was ich auf jeden Fall jedem empfehlen würde, ist frühzeitig mit dem Portfolio anzufangen. Man unterschätzt leicht die Arbeit und Zeit, die dafür benötigt werden. Das Portfolio ist sozusagen die Visitenkarte des Architekten, wenn es lieblos gestaltet wird, macht man automatisch einen schlechten ersten Eindruck. Wenn man sich dazu entschließt das Praxissemester im Ausland zu machen und die Bewerbung in einer Fremdsprache verfasst, sollte man sie auf jeden Fall von einem Muttersprachler Korrektur lesen lassen. Dabei können auch die Dozenten des Institutes für Fremdsprachen helfen. Ich selbst habe eine Bewerbung von meiner damaligen Französischdozentin korrigieren lassen, dabei hat sie mir nicht nur bei den Formulierungen geholfen, sondern auch erklärt, dass sich eine französische Bewerbung formal von einer deutschen unterscheidet.

All denjenigen, die gerne das Praxissemester in der Schweiz machen wollen, kann ich die Website www.architektura.ethz.ch/website/praktikum-jobs/ nur wärmstens empfehlen. Dort findet man eine große Auswahl an aktuellen Praktikumsstellen in der ganzen Schweiz.

War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie Ihren Master in Architektur machen wollten?

JB: Ich war anfangs unentschieden, ob ich mein Masterstudium in Karlsruhe weiterführen oder doch in einer anderen Stadt beginnen sollte. Man schätzt einerseits die familiäre Atmosphäre und die Tatsache, dass man einen fließenden Übergang vom Bachelor zum Master hat, andererseits würde man auch gerne etwas Neues kennenlernen. Ich habe es geschafft, beides zu vereinen indem ich durch Auslandssemester Abwechslung in das Studium bringe. Das erste Mastersemester habe ich bereits in Spanien, genauer gesagt in Valencia, absolvieren können und der nächste Auslandsaufenthalt ist bereits in Planung. Mein Traum wäre natürlich international arbeiten zu können und irgendwann mein eigenes Büro zu leiten.

Julia, herzlichen Dank! Wir wünschen Ihnen alles Gute und bedanken uns für das Interview.

In den letzten drei Wochen haben wir viel über die Praxiserfahrungen junger Studenten und Studentinnen gelernt. Lesen Sie noch einmal in Ruhe in allen sechs Beiträgen nach (Link)

(Interview Victoria Brandt / Architekturschaufenster)

 

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