Berufspraxis im Studium: Studenten stellen sich vor!

In unser neuen Interviewreihe: „Berufspraxis im Studium: Studenten stellen sich vor!“  erzählen uns sechs Studenten der Hochschule Karlsruhe von  ihren Erfahrungen während ihres Praxissemesters in verschiedenen Architekturbüros.Wir freuen uns auf den ersten Beitrag von Laura Gäbert. Die Studentin hatte nach ihrem Abitur zunächst in einem Karlsruher Hightech-Unternehmen in der Marketingabteilung gearbeitet. Heute studiert Laura im im sechsten Semester Architektur an der Hochschule Karlsruhe. Das Praxissemester verbrachte Laura bei Müller Sigrist Architekten AG in Zürich, Schweiz.


Hallo Laura! Schön,  dass Sie uns von Ihren Erfahrungen erzählen werden. Beginnen  wir zunächst mit etwas Allgemeinem. Was können Sie uns über das Architekturbüro Müller Sigrist Architekten AG berichten? 

LG:  Hallo! Ja, sehr gerne. Also, das Büro gibt es jetzt seit 15 Jahren und das gesamte Team ist auch recht jung. Das Büro hat ca. 25 Mitarbeiter, davon waren zu meiner Zeit 4 bis 6 Praktikanten. Es gibt zwei „Abteilungen“: eine für die Wettbewerbe und eine für die Ausführungsplanung. Schwerpunkte liegen u.a. auf dem Wohnungsbau. Es gibt aber auch einige Projekte, bei denen Gemeindezentren oder Bahnhöfe geplant wurden. Zudem wurden auch städtebauliche Studienaufträge oder Umbauten durchgeführt.

Die Atmosphäre und die Stimmung im Büro war sehr angenehm.Wir haben viel zusammen gelacht und auch außerhalb der Arbeit gab es einige Aktivitäten, die den Teamgeist gefördert haben, z.B. eine Wanderung auf knapp 2300m in den Schweizer Alpen zum neuen Gipfelgebäude von Herzog et de Meuron. Sehr wertvoll und besonders fand ich, dass Hierarchien kaum bis gar nicht spürbar sind – es ist ein wirklich tolles Miteinander!

Das hört sich wirklich toll an! Erzählen Sie uns, wie war der Weg zum gewünschten Praktikum?

LG: Als im vierten Semester das Praxissemster schon in Sichtweite kam, war mir zunächst wichtig, recht schnell einen Platz zu finden. Mir war von Anfang an klar, dass ich ins deutschsprachige Ausland möchte, und da die Schweiz für qualitätvolles und innovatives Bauen steht, habe ich dort gesucht. Recherchiert habe ich ausschließlich im Internet und meine Auswahl wurde durch einen befreundeten, in Zürich tätigen Architekten nochmals bestätigt. In Zürich wurde ich dann auch zu drei Gesprächen in drei verschiedenen Büros eingeladen. Mein Glück war, dass es unterschiedlich große Büros waren, mit je ca. 4, 25 und 50 Mitarbeitern. Vom aufstrebenden jungen Büro bis zum zweitältesten Architekturbüro der Schweiz. Die Büros haben mir alle wirklich gut gefallen, ich hatte aber von Beginn an einen Favoriten, Müller Sigrist Architekten, die mich dann auch genommen haben. Das war dann also die „goldene Mitte“, auf Mitarbeiterzahl und Bestehen des Büros bezogen.

Das freut uns sehr, dass Sie bei Ihrem Favoriten Ihr Praktikum machen durften! Was war dort Ihr Aufgabenbereich?

LG:  Spannend war, dass ich in unterschiedlichen Bereichen tätig sein durfte. Ich habe sogar mit etwas Publikationsarbeit angefangen und durfte für das wohl erfolgreichste Projekt, die Wohnsiedlung „Kalkbreite“, ein Plakat für eine Ausstellung in Barcelona gestalten. Danach war ich zum einen an einem Ausführungsprojekt beteiligt, meine Aufgaben waren u.a. Modelle bauen und ein Schreinermöbel entwerfen. Das war recht abwechslungsreich, und zwischendrin durfte ich mich auch mit dem Lichtplaner eines renommierten Leuchtenherstellers treffen und habe dabei Wichtiges dazugelernt. Zum anderen habe ich an zwei Wettbewerben mitgearbeitet: der erste war die Planung einer Wohnüberbauung in der Zürcher Umgebung, der zweite ein neuer Bahnhof mit Bürogebäude für Liestal, die Hauptstadt des Basler Landes. Das war beides echt spannend.

Welche Erfahrungen haben sie bei den verschiedenen Tätigkeiten mitgenommen?

LG: Ich habe in meiner Zeit bei Müller Sigrist gelernt, strukturierter und ordentlicher zu arbeiten. Je besser das Team bzw. man selbst organisiert ist, desto schneller kommt man voran und desto erfolgreicher sind die Ergebnisse. Insgesamt fand ich es super, dass man wirklich Teil des Teams war und auch dementsprechende Verantwortung hatte. Die Mitarbeiter waren allesamt ausgesprochen hilfsbereit, sehr engagiert und hochmotiviert. Und bei Fragen oder Problemen haben sie immer sehr schnell hilfreiche Tipps gegeben, das hat mich positiv beeindruckt.

Das Praxissemester war eine äußerst wertvolle Erfahrung für mich, weil ich dadurch den Beruf erst richtig kennengelernt habe. Ich bin demnach sehr froh, dass es Teil unseres Architekturstudiums an der HSKA ist.

Was empfehlen Sie Ihren KommilitonInnen zum Thema Praxissemester?

LG: Zunächst sollte man entscheiden, ob man im In- oder Ausland arbeiten möchte. Besonders fürs Ausland ist es wichtig, sich frühzeitig zu bewerben, um dann auch Zeit für alles Organisatorische wie Unterkunftssuche etc. zu haben. Generell empfiehlt es sich, genügend Zeit in ein überzeugendes und grafisch ansprechendes Portfolio zu stecken – es ist der erste Eindruck und sehr entscheidend. Unterstützung bei der Bürosuche findet man bei Kommilitonen höherer Semester und Professoren. Zudem sollte man – falls vorhanden – alle Beziehungen von Familie oder Freunden zu Architekten nutzen, um eventuell weitervermittelt zu werden. Auch das Internet ist eine ausgesprochen wichtige Quelle: Ich habe z.B. vorrangig auf der Seite der ETH Zürich gesucht, dort gibt es eine Art „digitales Schwarzes Brett“ , wo man zahlreiche Aushänge guter Büros findet: www.architektura.ethz.ch/website/praktikum-jobs/

Wichtig ist auch, dass man schon im Voraus versucht, so viel wie möglich über die ausgewählten Büros herauszufinden. Schließlich sollte man sich mit deren Philosophie bzw. Haltung zur Architektur gut identifizieren können und entscheiden, ob man in ein eher kleines oder großes Büro möchte.

Nun sind Sie bereits im sechsten Semester und machen in absehbarer Zeit Ihren Abschluss. Welche Pläne haben Sie nach Abschluss des Bachelorstudium? Werden Sie Ihren Master in Architektur machen?

LG: Nach meinem Bachelor möchte ich erstmal kurz „durchatmen“ und irgendwohin verreisen, da das gesamte Studium doch sehr zeitintensiv war. Momentan arbeite ich parallel zum Studium an meinen Mappen für Bewerbungen an Gestaltungshochschulen, da ich danach Kommunikationsdesign studieren möchte. Gestalten ist einfach meine Leidenschaft und ich bin sicher, dass ich in meinem nächsten Studium aus dem wertvollen Fundus meines Architekturstudiums schöpfen kann. Dabei erhoffe ich mir insbesondere mehr Freiheit für meine Kreativität, da ich mich in der Architektur u.a. durch die vielen Baugesetze und Vorschriften stark eingeschränkt gefühlt habe.

Zum Abschluss: Warum haben Sie sich damals für das Studium der Architektur entschieden?

Mich fasziniert das dreidimensionale Gestalten, sowie das Erschaffen von Räumen und Strukturen. Es reizt mich, Kunst und Technik in ein funktionierendes Ganzes zu bringen und einen Teil guter und durchdachter Gestaltung für unsere Gesellschaft zu schaffen. Mein Interesse liegt besonders in kleineren, überschaubaren Projekten, z.B. temporäre oder experimentelle Architektur. Ich bin immer auf der Suche nach Neuem und finde es echt spannend, sich auch mal abseits der Standards zu bewegen. Am besten gefällt mir die visuelle Umsetzung und die damit einhergehende überzeugende Vermarktung der geschaffenen Architektur. Dazu gehören vor allem ansprechende Pläne: Ein gutes Layout, die Gestaltung von Konzeptdiagrammen, Piktogrammen oder Logos. Besonders dabei merke ich immer wieder, wie sehr es mich zum Kommunikationsdesign zieht, weshalb ich unbedingt in diesem Bereich weiterstudieren möchte.

Alles in allem hat es sich definitiv gelohnt, Architektur zu studieren. Auch die Zeit im Praxissemester möchte ich nicht missen, man lernt fachlich und auch menschlich sehr viel dazu. Und etwas Schwyzerdütsch kann ich jetzt natürlich auch!

Laura, wir danken Ihnen für das Gespräch! Wir haben sehr viel erfahren. Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre berufliche Zukunft!

(Interview Victoria Brandt / Architekturschaufenster)

Wir freuen uns auf den nächsten Beitrag von Baldur Dilthey.

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