WILD SITES | Interview mit Thomas Rustemeyer

Zur Zeit ist es wild im Architekturschaufenster! Wir zeigen Wild Sites von Thomas Rustemeyer, eine illustrativen Ausstellung, die Fallbeispiele aus Stuttgart und Rotterdam zeigt und so ein Spannungsfeld zwischen zwei sehr unterschiedlichen Metropolen aufgespannt: Wild Sites widmet sich den „wilden Orten“ in der Stadt. Jenseits von Spiegelglasfassaden und normativer Stadtplanung sind hier Initiativen und informelle Gruppen aktiv, die mit ihren Ideen und Praktiken das Zusammenleben in der Stadt gestalten. Mit Projekten „von unten“ setzen sie Impulse für Quartiers- und Stadtentwicklung und können so wichtige Bausteine im Stadtgefüge sein. Wild Sites sind häufig nicht von professionellen Projektentwicklern geplant, sondern von den Nutzern des Ortes selbst initiiert. Diese erproben neue Strategien und Taktiken, um ihre Ideen und Ziele zu realisieren.

Thomas Rustemeyer ist Architekt und Illustrator (Studium am KIT und der UdK Berlin). In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit den Praktiken der nutzerbasierten Stadtentwicklung. Derzeit ist er außerdem wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HfG Karlsruhe im Fachbereich Ausstellungsdesign und Szenografie.

Wir haben Thomas Rustemeyer gebeten, uns mehr über die Wild Sites zu verraten.

INTERVIEW

Ganz banal – was ist und sind Wild Sites?

Thomas Rustemeyer: Wild Sites ist ein Rechercheprojekt zu Orten und Räumen in der Stadt, die von den Nutzern selbst initiiert und getragen werden. Die Nutzer wollen hierbei selbst ihr urbanes Umfeld positiv gestalten und öffnen mit ihren Ideen und Bedürfnissen neue Räume für die Stadtgesellschaft. Dadurch sind Wild Sites eben nicht „von oben“ geplant, sondern werden prozessual mit DIY-Methoden, durch die – oftmals nicht professionellen – Akteure Stück für Stück entwickelt.
In der Ausstellung werden 10 Fallstudien aus Rotterdam und Stuttgart präsentiert. Hierbei handelt es sich um unterschiedlichste Projekte – vom Lesesaal über Atelierräume bis zu Urban Gardening. Sogar ein Hundespielplatz ist dabei! Die Wild Sites zeichnen sich nicht durch ein spezifisches Programm, deren Größe oder Dauer aus. Allen gemein ist ein wilder Charakter und der Wagemut zum Abenteuer!
Wild Sites - Leeszaal, Rotterdam

Wild Sites – Lesezaal, Rotterdam © Thomas Rustemeyer

Wie kam es dazu?

Thomas Rustemeyer: Ich interessiere mich für diese Form des Stadtmachens „von unten“ schon lange. Mein Diplom am KIT Karlsruhe bei Prof. Alex Wall und Prof. Kerstin Gothe hat sich mit Strategien der nutzerbasierten Quartiersentwicklung beschäftigt. Im Rahmen des Forschungsprojekts Raumunternehmen von Prof. Klaus Overmeyer an der BU Wuppertal hatte ich die Gelegenheit, nutzergetragene Projektentwicklungen in Deutschland und Europa kennenzulernen. Das war der Ausgangspunkt für das Rechercheprojekt Wild Sites, das ich im Rahmen eines Architect-In-Residence-Stipendiums am Goethe Institut Rotterdam realisieren konnte.
Wild Sites - Verhalenhuis, Rotterdam.jpeg

Wild Sites – Verbalenhuis Rotterdam © Thomas Rustemeyer

Wie lange hast du an der Ausstellung Wild Sites gearbeitet?

Thomas Rustemeyer: Ich war 3 Monate in Rotterdam vor Ort, habe Interviews geführt und die Orte genau unter die Lupe genommen.  Aus den Informationen habe ich narrative Diagramme und Zeichnungen entwickelt, die verschiedene Aspekte der Wild Sites dokumentieren. Diese wurden in einer Ausstellung und Publikation präsentiert. Daraufhin wurde ich von der Architekturgalerie am Weissenhof in Stuttgart eingeladen, die Ausstellung dort zu zeigen. Mich hat das Spannungsfeld zwischen den sehr unterschiedlichen Metropolen Stuttgart und Rotterdam interessiert. So habe ich Stuttgarter Fallstudien analysiert und den Rotterdamer Projekten gegenübergestellt.

Eine architektonische Recherche – warum als Illustration festgehalten? 

Thomas Rustemeyer: Die Wild Sites sind unglaublich komplexe Projekte. Narrative Zeichnungen können diese Komplexität und die vielschichtigen Informationen abbilden. Mit der Kombination von Text und Zeichnung werden Projekt-Evolutionen gezeigt, gleichzeitig der architektonische Raum dargestellt und weitere interessante Aspekte, wie z.B. Finanzierungskonzepte, integriert. Dadurch wird die Erzählung der Orte reichhaltiger, informativer und leichter verständlich.

Thomas, wir freuen uns, dass die Wild Sites bei uns im Architekturschaufenster zu Gast sind!

(Interview Simone Kraft / Architekturschaufenster)
ASF_WildSites

Öffnungszeiten der Ausstellung im Architekturschaufenster:

15.03.16- 08.04.16
Mo-Do: 9-12 und 14-16 Uhr

Fr: 9-12 Uhr

 
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s