Ein Räumliches Leitbild für Karlsruhe | INTERVIEW mit Anke Karmann-Woessner

Wie plant man eine Planstadt weiter? Karlsruhe hat sich für ein innova­ti­­­ves Verfahren entschie­­­den, bei dem der gesamte Prozess öffentlich diskutiert wird. Was sonst ausschließ­­lich in Exper­ten­­­gre­­­mien statt­­­fin­­­det, wird in Karlsruhe seit 2013 von einem umfang­rei­chen Veran­­­stal­tungs­­­pro­­­gramm für inter­es­­­sier­te Bürge­rin­­nen und Bürger begleitet – in Form des Räumlichen Leitbilds für Karlsruhe. 

In den vergangenen Jahren fanden zahlreiche Projekte, Ausstellungen, Veranstaltungen in diesem Rahmen statt. So haben im ersten Halbjahr 2014 drei ausge­wähl­te inter­­­dis­­­zi­p­­li­näre Planer­teams aus dem In- und Ausland in einer Planungswerkstatt ihre Vorschläge für ein Räumliches Leitbild für Karlsruhe erarbeitet. Aufbauend darauf hat das Stadtplanungsamt dann an der Konkretisierung des Leitbilds gearbeitet. Im Jubiläumsjahr 2015 – 300 Jahre Karlsruhe! – wurde in einer großen Ausstellung DIE STADT NEU DENKEN ein Zwischenstand der Entwicklungen geboten.

WebflyerRLUpdate_160222_2Aber auch danach wurde weiterdiskutiert, geplant und entwickelt. Ein neues Update findet am 3. März im Südwerk Karlsruhe statt, das eine letzte Feedback-Runde vor der Erstellung eines beschlussfähigen Konzepts bietet.

Wir haben bei der Leiterin des Karlsruher Stadtplanungsamtes, Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, nachgefragt, wie der Stand der Dinge des Räumlichen Leitbilds ist!

Mehr Informationen zum Räumlichen Leitbild

INTERVIEW

Für unsere Leser außerhalb Karlsruhes: Was ist das Räumliche Leitbild – und was macht es besonders?

Anke Karmann-Woessner: Mit dem Räumlichen Leitbild wird ein „Regiebuch“ für zukünftige städtebauliche Entscheidungen entwickelt. Es bündelt in sieben Stoßrichtungen die wesentlichen Handlungsfelder für die Stadtentwicklung von Karlsruhe und gibt damit einen wichtigen Handlungsrahmen für die Entwicklung der Stadt in den nächsten Jahren. Die inhaltliche Bandbreite reicht hierbei von „Mehr Wohnen“ über eine „Starke Mitte“ bis hin zu „Coolen Quartieren“.

Besonders am Leitbild ist sein Entstehungsprozess, der auf eine breite Mitwirkung der Bürgerschaft setzt und diese in unterschiedlichsten Formaten in die Entstehung des Leitbilds miteinbezogen hat. Daneben wird der Leitbildprozess durch ein Begleitgremium aus Planungsexperten, Politik und Verbänden unterstützt, das immer wieder eine kritische Rückkopplung der Inhalte ermöglicht.

Somit ist das Leitbild nicht nur ein Regiebuch und Handlungsrahmen, sondern hat in den letzten Jahren auch Diskurskultur in Planungsprozessen neu etabliert, an der auch in Zukunft festgehalten werden soll.

Wie ist der Stand der Dinge aktuell?

Anke Karmann-Woessner: Nach der Ausstellung im letzten Jahr, in welcher die Stoßrichtungen im Mittelpunkt standen, hat das Stadtplanungsamt nun Konkretisierungen im Sinne von Vorhaben bzw. Projekten erarbeitet. Diese wurden in Steckbriefen zusammengefasst und sollen die Umsetzung der Stoßrichtungen auf den Weg bringen. Daneben wurden im Norden wie auch im Süden des Stadtgebietes räumliche Vertiefungsbereiche ausgewählt, um die Themen ebenfalls auch im Stadtraum zu konkretisieren. So findet man nun u.a. für die Stoßrichtung „Mehr Wohnen“ Ansätze, wo neue Flächen für den immer stärker wachsenden Wohnbedarf geschaffen werden können.

Am Donnerstag, 3. März, findet eine Update-Veranstaltung im Südwerk Karlsruhe statt. Was bietet das Update?

Anke Karmann-Woessner: Das Update stellt der Bürgerschaft vor, wie und an welchen Punkten die Stoßrichtungen konkretisiert wurden. Hierzu findet man nochmal als „Reminder“ an sieben Marktständen die Ausstellungsplakate, jedoch ergänzt um die konkretisierenden Vorhaben. Diese sind dann auch in kurzen Steckbriefen näher beschrieben und können dort von den Bürgern genau unter die Lupe genommen werden. Auch räumliche Vertiefungsbereiche werden beim Update näher vorgestellt. Hierzu und auch zu den Steckbriefen haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Politik, Verwaltung und Planern Rückfragen zu stellen. Ein kurzer Input zu den konkretisierten Planungsüberlegungen und Inhalten der Marktstände wird zunächst einen Überblick über die erarbeiteten Inhalte schaffen.

Wie geht es weiter? Was kommt noch an Aktionen, an Planungen – vor dem Gemeinderatsbeschluss bis Ende des Jahres?

Anke Karmann-Woessner: Das Update am 3. März wird die letzte Feedback-Runde im Rahmen des Leitbildprozesses sein. Danach wird es darum gehen, die Ergebnisse in einem beschlussfähigen Dokument zusammenzustellen, das dann bis Ende des Jahres der Öffentlichkeit und dem Gemeinderat vorgelegt werden soll. Ergänzend wird am 20. Juli wird Rahmen der Reihe Stadtbauforum die Stoßrichtung „Mehr Wohnen“ vertiefend diskutiert. Darüber hinaus finden vorhabenbezogene Informations- und Beteiligungsveranstaltungen statt.

Anke Karmann-Woessner, herzlichen Dank für das Update zum Stand des Räumlichen Leitbilds für Karlsruhe!

(Interview Simone Kraft / Architekturschaufenster)

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