„Architektur als Exponat“ INTERVIEW mit Jeannette Merker

Architektur ausstellen? Das geht doch gar nicht. Doch, das geht! Es ist sogar ein ganz wesentliches Instrument, um Architektur, Baukultur und ihre Bedeutung zu vermitteln. Zahlreiche Architekturinstitutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz widmen sich dieser Aufgabe und versuchen, Architektur in ihrer Vielschichtigkeit zu kommunizieren.

Mit den Möglichkeiten, Architektur zu vermitteln, beschäftigt sich auch „a*komm“, das Fachgebiet Architekturkommunikation am Karlsruher Institut für Technologie, dem bislang einzigen Lehrstuhl für Architekturkommunikation an einer deutschen Universität. Gemeinsam mit Studierenden haben Riklef Rambow und Jeannette Merker über Institutionen der Architekturvermittlung geforscht.

Eine Auswahl ihrer Ergebnisse wird nun in einer Publikation vorgestellt, „Architektur als Exponat“ – in Form von Interviews mit dreizehn Vertretern namhafter Ausstellungsinstitutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, darunter Hubertus Adam (Schweizerisches Architekturmuseum S AM, Basel), Matthias Böttger (Deutsches Architektur Zentrum, Berlin), Oliver Elser (Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt), Kristin Feireiss (Aedes Architekturforum, Berlin) oder Dietmar Steiner (Architekturzentrum Wien).

Architektur als Exponat CoverHerausgekommen ist „Architektur als Exponat“ – ein vielfältiger Einblick in die Welt des Architekturausstellens, der Lust auf mehr macht und zum immer mal wieder Reinblättern einlädt.

Wie haben bei Jeannette Merker nachgefragt, wie es zu der Publikation gekommen ist!

Architektur als Exponat
Gespräche über das Ausstellen
Jeannette Merker, Riklef Rambow (Hg.)
Erschienen 2015 bei Jovis, Berlin
19 x 23 cm, 152 Seiten mit ca. 60 Abb., Klappenbroschur
ISBN 978-3-86859-386-0

 

INTERVIEW

In medias res – wie kam es dazu, eine Interviewreihe über das Ausstellen von Architektur zu führen?

JM Für das Thema Ausstellen – speziell dem Ausstellen von Architektur und Stadt –interessiere ich mich seit dem Ende meines Studiums. Ich habe selbst Architektur studiert, aber meine ersten Berufserfahrungen habe ich mit der Konzeption und Organisation von Ausstellungen gesammelt u. a. im Deutschen Architekturzentrum in Berlin. Als ich im Wintersemester 2009 in Karlsruhe am Fachgebiet Architekturkommunikation am KIT begann, war das erste Seminar, das ich leitete, „Exhibit! Architekturausstellungshäuser im Vergleich“. Seither, könnte man sagen, ließ das Thema Riklef Rambow und mich nicht mehr wirklich los und wir entwickelten regelmäßig Lehrformate mit dem Schwerpunkt Ausstellen.

Auslöser für das Buch waren zwei Projektseminare in den Sommersemestern 2012 und 2103. Am Beispiel von ausgewählten Ausstellungshäusern untersuchten wir gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden der Architektur und Kunstgeschichte die Positionen derjenigen, die gegenwärtig Architekturausstellungen konzipieren und inszenieren.

Diese Seminarergebnisse haben wir im Sommer 2014 im Rahmen der Ausstellung und dem Symposium „Es heißt ja Ausstellung und nicht Ausdruckung. Aktuelle Positionen kuratorischer Praxis.“ am KIT präsentiert.

Im Buch führt sind Interview mit ganz unterschiedlichen Personen. Wie kam es zur Auswahl der Interviewten?

JM Für die Seminare haben wir eine Vorauswahl an unterschiedlichen in der Szene relevanten Personen getroffen. Die Studenten erarbeiteten unter unserer Anleitung Fragebögen, führten im Anschluss die Interviews, transkribierten und bearbeiteten auch die Inhalte redaktionell. Sicher, diese Form der Feldforschung war nicht perfekt, aber das, was wir lasen, war spannend. Es gibt einfach nicht viel zu diesem Themenbereich und ich wollte dran bleiben!

Nach unserer Ausstellung haben wir entschieden, wir machen weiter und ein Buch daraus! Da wir nur einen kleinen Teil aus den Seminararbeiten verwenden konnten, hat das ganze Vorhaben noch einmal acht Monate intensiver Arbeit gebraucht. Aber es hat sich gelohnt!

Warum die Form des Interviews?

JM Ich mag die Form der Unterhaltung, das Unerwartete und Spontane, in das sich Gespräche manchmal auch wenden können. Und es ist praktisch: Man hat die Chance innerhalb kurzer Zeit sehr viel Wissen zu sammeln!

Warum ist eigentlich die Frage nach dem Ausstellen von Architektur relevant? Ist Architektur überhaupt ausstellbar? 

JM Die Zahl der Ausstellungen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Für mich ein Beweis, dass das Format an Relevanz gewinnt. Und Ausstellungen sind ein wichtiges Instrument der Architekturkommunikation, die Themen definieren, Diskurse initiieren, Trends setzen oder Bilanzen ziehen. Sie können Interesse wecken, Wissen vermitteln und Positionen besetzen.

Was wir im Vorfeld tatsächlich immer wieder gehört haben: Architektur ist nicht ausstellbar. Gemacht wird es trotzdem. Und damit kamen zwangsläufig Fragen: Wie kann Architektur in Galerien und Museen überhaupt vermittelt werden? Welche Ansätze und Formate sind möglich, welche Potenziale, aber auch Herausforderungen ergeben sich dabei? Wer soll durch Architekturausstellungen angesprochen werden? Durch die Gespräche haben wir versucht, den Antworten ein Stück näher zu kommen.

Gab es besondere Einblicke in den Interviews, die überrascht haben?

JM Überraschend für mich war, dass es schon den ein oder anderen Interviewpartner gab, der eher zufällig und ohne großen Masterplan in das Ausstellungsbusiness reingerutscht und ihm bis heute treu geblieben ist.

Was habt ihr mitgenommen aus diesem Projekt für das künftige Ausstellung von Architektur?

JM Diese große Vielfalt möglicher Ansätze macht das Thema Architekturausstellung für uns interessant und nahezu unerschöpflich. Sicher, es spiegelt die Komplexität des Themas Architektur, aber lässt in seinem Spannungsfeld von Kunst, Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft auch zahlreiche unterschiedliche Zugänge zu. Das Nachdenken über das Ausstellen von Architektur und darüber, welche Rolle es im Zusammenhang mit anderen Formen der Architekturkommunikation spielt, ist im Fluss. Für uns waren die Begegnungen und Interviews mit den verschiedenen Protagonisten im Bereich der Architekturausstellungen eine faszinierende Momentaufnahme. Eine, die es fortzusetzen wert ist!

Jeannette, herzlichen Dank für die Einblicke ins „Making of“ von „Architektur als Exponat“!

(Interview Simone Kraft / Architekturschaufenster)

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