Neu in Mannheim – eine Referentin für Baukultur!

Seit April 2015 gibt es in Mannheim eine Referentin für Baukultur, die erste Stelle dieser Art, mit deren Einrichtung die Stadt Mut und vor allem Bewusstsein für die Bedeutsamkeit der Pflege von Baukultur bewiesen hat. Angesiedelt beim Baukompetenzzentrum sind die Aufgaben der Baukultur-Referentin Tatjana Dürr unter anderem, die Öffentlichkeit sowohl in der Stadt selbst als auch über die Grenzen Mannheims hinaus für die Thematik der Baukultur zu sensibilisieren. Es ist ein spannender Schritt, den die Stadt Mannheim hier gegangen ist – und der hoffentlich auch anderswo Schule macht!

Wir freuen uns, hier einen Bericht von Anke Philipp aus dem Mannheimer Morgen (21.11.2015) über die Arbeit der Baukulturreferentin teilen zu dürfen. Herzlichen Dank an die Redaktion des Mannheimer Morgen!


„Jedes kleine Haus prägt das Bild der Stadt“

Architektur: Tatjana Dürr ist die neue Referentin im Rathaus für die Baukultur

von Anke Philipp

MaMo Tatjana DürrWie sieht ein Haus aus, was ist ein Grundriss, was ein Maßstab? Aus Ton Einrichtungsgegenstände basteln, aus Papier Kuppeln: In den Schulen und anderswo so Interesse wecken für gutes Bauen und gescheite Architektur – das gehört zum Aufgabenspektrum von Tatjana Dürr. Seit April ist die 52-jährige Referentin für Baukultur im städtischen Baukompetenzzentrum.

Zuvor arbeitete die Architektin mit der Zusatzausbildung Denkmalpflege, die in Berlin und Darmstadt studiert hat, über zehn Jahre für die Stadt Lorch, war mit dem UNESCO Weltkulturerbe und sechs Jahre mit Umbauten im Kloster Lorch betraut. Nach Mannheim zu wechseln und sich Neuem zuzuwenden sei ihr nach Projektabschluss leicht gefallen: „Das Thema Stadt hat mich schon immer interessiert. Mannheim ist extrem spannend – gerade in einer Zeit, in der viele in der Stadt leben wollen”, findet Dürr. Die Faszination an der Großstadt sei spürbar, die Mischung der Kulturen ein Motor des Wandels.

Dabei, so Dürr, gehe es nicht nur ums Bauen an sich, sondern auch um den Städtebau und die Gestaltung öffentlicher Räume: Verborgene Potenziale (wie auf den Konversionsflächen) entdecken, bespielen und neu besetzen: Das sei eine Herausforderung, die besonders die junge Generation begeistere. Aber auch die bürgerliche Mittelschicht sei auf der Suche nach bewegtem Leben inmitten von Plätzen, Räumen und Flächen – dem sogenannten urbanen Lebensstil. Mannheim ist „wie ein Rohling”, sagt Dürr, der an manchen Ecken nach der Form suche.

Auf die Möglichkeiten öffentlicher Räume das Interesse lenken, ist die eine Aufgabe der Beauftragten. Eine weitere: das Bewusstsein für gutes Bauen und ein entsprechendes Urteilsvermögen zu schärfen – und zwar bei Groß und Klein. Vor allem Projekte mit und für Mannheimer Grundschulen und die Netzwerk-Bildung stehen bei Tatjana Dürr derzeit auf der Agenda: Erste Arbeitsgemeinschaften gibt es auf der Schönau in der Hans-Christian-Andersen-Schule und in der Hebelgrundschule in Neuostheim.

Wie Menschen und Tiere bauen
Dort widmen sich die Schüler in Zusammenarbeit mit dem Technoseum und der Stadtbibliothek dem Thema: Wie Menschen und Tiere bauen. Unterstützt wird Dürr von einer Gruppe von Architekten, die sich ehrenamtlich der Architekturvermittlung verschreiben. Mit dabei sind Harald Thiele, Dr. Andreas Schenk, Friederike Neumann, Johannes Striffler, Andreas Kaupp, Dr. Wolfgang Naumer und Stephan Seidel. Die Kurse sollen künftig auf weitere Bildungseinrichtungen ausgedehnt werden. Dafür sucht das Baukompetenzzentrum weitere Mitstreiter und Sponsoren. Wissen und Kenntnis über das Bauen und die dazu gehörigen Handwerkskünste müssten Teil der Allgemeinbildung werden, findet die Architektin: „Schließlich betrifft es uns alle”. Dürr: „Jedes kleine Haus prägt das Bild der Stadt und der Umwelt.”

Nicht zu vergessen: die Planungskultur. Die steht für 2016 im Fokus und damit die Fragen: Wie entstehen Wettbewerbsverfahren, wie werden sie umgesetzt? Der Ochsenpferchbunker, der für das Stadtarchiv umgebaut wird, könnte als Anschauungsobjekt dienen – denn schließlich prägt ja nicht nur jedes kleine Haus das Bild der Stadt.

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